Resolution der Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e. V. (OBAK) zur Martin- Luther- Gedächtniskiche

Die Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e. V. (OBAK) hat auf ihrer ordentlichen Jahres-Mitgliederversammlung 2007 am 15.12.2007 in Berlin einstimmig den Beschluss zu folgender Resolution gefasst:

Die OBAK verfolgt seit dem ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin intensiv die öffentliche Diskussion um den Erhalt und die künftige Nutzung der 1935 eingeweihten, stark sanierungsbedürftigen  Martin- Luther- Gedächtniskirche  in  Berlin- Mariendorf.  Die Innenraumgestaltung dieser Kirche ist von der Ideologie des Nationalsozialismus geprägt, was sie zu einem in Deutschland anderenorts nicht mehr vorhandenen baulichen Beispiel für die Verbindung von evangelischer Kirche und Nationalsozialismus macht und damit zu einem Kulturdenkmal  ersten   Ranges  mit  einzigartigem  Authentizitätswert.   Seit  der Sanierungsbedarf in Höhe von 3,5 Mio. Euro bekannt geworden ist, hat nicht nur die Berliner Presse mehrfach über diesen Kirchenbau berichtet - die öffentliche, weit über kirchliche Kreise hinausreichende Wahrnehmung ist auch überregional u.a. bereits in der Wochenzeitung "DIE ZEIT' sowie unlängst durch ein Fachsymposium zum Ausdruck gekommen.

Die Martin- Luther- Gedächtniskirche symbolisiert Scheitern ebenso wie Suche und Hoffnung. Sie war im Jahre 1938 Traukirche des Schriftstellers und bekannten protestantischen Liederdichters Jochen Klepper und seiner jüdischen Frau, die sich beide 1942 unter dem Druck der politischen Verhältnisse das Leben nahmen, um ihrer drohenden Deportation zuvorzukommen.

Die OBAK bewundert Ausmaß und Qualität des Engagements der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin- Mariendorf um den Erhalt und eine der geschichtlichen Bedeutung angemessene Nutzung der Kirche. Hierbei ist insbesondere das durch vielfältige Aktivitäten belegte Konzept der Gemeinde hervorzuheben, die geschichtliche Rolle und den eigentlichen Zweck einer Kirche nicht etwa als Gegensätze zu empfinden - sondern vielmehr die Kirche sowohl als Ort der Mahnung und Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte als auch gleichzeitig als Ort des Wortes Gottes, des Gebetes und eines lebendigen Gemeindelebens in einer glaubwürdig praktizierten Form zu nutzen. Die Gemeinde hat mit diesem Weg auch und gerade in theologischer Hinsicht eine Chance ergriffen, die sich nicht Bedürfnissen nach vordergründigem Wohlfühlambiente unterordnet, jedoch unserem Verständnis nach glaubwürdig und zukunftsweisend zugleich ist.

Die OBAK möchte in der Frage der künftigen Nutzung des Gotteshauses diesen Weg der Gemeinde nach Kräften unterstützen und hierbei insbesondere auch ein Zukunftskonzept, das neben einer memorialen, musealen und kulturellen Nutzung den Erhalt als einen liturgischen Ort gewährleistet.

Die OBAK bewertet im Einklang mit entsprechenden Äußerungen von Wissenschaftlern die Martin- Luther- Gedächtniskirche als ein Bauwerk von nationaler Bedeutung, will mit dazu beitragen, dies weiter in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, und sich aktiv in die Frage der künftigen Nutzung einbringen.