Theologischer Monatsgruß - April 2018

Jesus Christus spricht:“ Friede sei mit Euch. Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich Euch.
(Johannes 20, 21)
 

„Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: „Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“

So steht es in der Bibel. „Friede sei mit Euch“ – ein Wort der Hoffnung und des Vertrauens,
aber auch der Verzweiflung und Versagens und Verzagens.

In dem Text aus dem Johannes-Evangelium lässt uns die Bibel einen Blick in eine extreme Situation werfen. Jesus Christus sucht nach seiner Auferstehung seine Jünger auf, um sie zu ermutigen und ihnen gleichzeitig einen neuen Auftrag zu geben. Was war geschehen? Die Jünger Jesu sitzen, nachdem sie diesem Jesus mehr als drei Jahre lang mit großen Hoffnungen und noch großartigeren Erlebnissen gefolgt waren, voller Angst vor der Außenwelt und der Obrigkeit gemeinsam in einem Haus mit verschlossenen Türen. Was hatten sie nicht alles auf ihrem Weg mit Jesus erfahren: Kranken- und Geistesheilungen, das Auferwecken von Verstorbenen und einen furchtlosen Herrn, der den Herrschenden durch sein vollmächtiges Reden Einhalt gebot und den Armen und Verfolgten eine Perspektive auf Gottes Reich geschenkt hatte. Und nicht zuletzt hatte er ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben. Doch nun war alles dahin. Das Leiden und der schmachvoll empfundene Tod Jesu hatte sie mut- und kraftlos zurückgelassen. Ohne Herrn und ohne Hoffnung wuchsen die Lebens- und Zukunftsfragen vor ihnen zu unüberwindbaren Schranken. Was nun – wie geht es weiter? So weit entfernt der Alltag der Jünger von unserem Alltag heute entfernt sein mag, so nah sind uns doch diese Gedanken ohne Hoffnung und Ausweg in vielen Lebenssituationen. Was braucht es, um aus solch einer Situation herauszufinden? Es braucht nicht weniger als den auferstandenen Jesus, wie bei den Jüngern damals. Es braucht den Jesus, der als Retter für alle Menschen in diese Welt kam und uns in seiner Person die Erlösung aus unseren ausweglosen Situationen schenkt. Es braucht ihn, der unsere Zweifel und Ängste ernst nimmt und sein „Dennoch“ dagegensetzt. Mehr noch: Mit Jesus Christus bekommen wir Kontakt zu einem Frieden, der in seiner Tiefe und Weite unsere menschlichen Grenzen weit übersteigt. Wer Jesus nachfolgt, verliert sein Herz an einen liebevollen Gott, der mit Vollmacht und Zuwendung regiert und der sein Reich des Friedens in uns anbrechen lassen möchte. Im Überlegen darüber kommt mir leise ein Gedanke hoch: Was hält uns eigentlich ab, uns von ihm senden zu lassen?

Und noch eins: Es ist unsere von Gott gegebene Aufgabe, für den Frieden zu arbeiten und Frieden zu schaffen. So wie Jesus es uns gesagt hat: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich Euch“ Wir in Westeuropa können unendlich dankbar sein, über 70 Jahre lang ohne kriegerische Auseinandersetzung gelebt zu haben – in anderen Regionen dieser Welt sieht das, wie wir tagtäglich aus den Nachrichten erfahren, ganz anders aus. Allein der grausame Krieg in Syrien dauert nun schon über 7 Jahre, ein Ende ist nicht abzusehen, und wie hier Versöhnung gelingen soll. ist völlig unklar.

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist“ – Amen! (Franz von Assisi)


Klaus Wirbel