Theologischer Monatsgruß - Juni / Juli 2019

Gute Zeiten - schlechte Zeiten


…so der Titel einer Fernsehserie, die aufzeigt, wie das Leben so spielt. Auch da kann man lernen, dass das Leben nicht immer bunt und ereignisreich ist, aber ebenso dass Leben auch heißt „himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt“; nicht immer in diesen Extremen, aber immer irgendwo dazwischen.

Jeden Tag Party – das ist nur auf den ersten Blick verlockend; aber wie schnell wären wir es leid?! So bildet auch das Kirchenjahr viel besser als jede Soap-Opera ab, wie Leben wirklich geht: „Eben“ noch Ostern, schon ist wieder Trinitatiszeit. Sie ist die vermeintlich unspektakuläre festlose Kirchenjahreszeit; Kirchenjahresalltag – aber wo ist der Alltag schon wirklich unspektakulär? Trinitatis ist die Zeit des stillen Wachstums. Eine Zeit auch, die daran erinnert, dass es nicht nur im Kirchenjahr, sondern auch in unserem Leben Phasen braucht, in denen es mal ruhiger zugeht. Eine Zeit, in der wir uns regenerieren und Kraft tanken können für die spannungsvollen Ereignisse, die auch wieder kommen.

Manche nennen solch ereignislose (Ferien-)Zeiten „Saure-Gurken-Zeit“, in dessen nachrichtenarmen Wochen die Zeitungen häufiger als sonst mit nebensächlichen, kuriosen Meldungen gefüllt werden.

Verbrieft ist dieses Wort erstmalig Anfang des 19. Jhd. Der Musiker Carl Friedrich Zelter schrieb 1821 an Goethe: „Unser Theater ist jetzt wieder lavierend, wie immer in der Sauregurkenzeit.“ Willibald Alexis verschriftet 1852 in seinem Roman „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“: „Das Bier wird auch immer schlechter.“ – „Sauregurkenzeit, Herr Gevatter!“ 1854 vermeldete die in Dessau erschienene Zeitschrift „Atlantis“ „Sauregurkenzeit in der Literatur“. Das humoristisch-satirische Wochenblatt „Kladderadatsch“ (natürlich Berlin) attestierte den Verlegenheitsberichten der Presse im Sommer 1856 einen „starken Beigeschmack der Sauregurkenzeit“.

Heißt das aber nun, dass das eine öde Zeit ist: Alltag, grau in grau, tagtäglich dasselbe? Das hieße es nur, wenn man diesen Alltag losgelöst sähe von der übrigen Zeit des Jahres, losgelöst von den Festen, den Hoch-Zeiten des Kirchenjahres. Tatsächlich soll man aber gerade das, was die Feste bereithalten, in den Alltag hinüberretten. Das Schöne bewahren, mitnehmen und im Alltag vermehren.

Trinitatis feiert die drei Wesenserscheinungen Gottes, und eine davon ist die des Heiligen Geistes, von dem das Pfingstfest Anfang Juni erzählt. Wie alle kirchlichen Feste ist auch Pfingsten kein Selbstzweck, sich einfach einmal zu vergnügen, sondern aus Pfingsten heraus, aus dem Geschenk des Heiligen Geistes heraus ist jedem etwas mitgegeben für den Alltag, für jeden aufregenden und unaufregenden Tag des Lebens.

Wenn die Menschen die Botschaft aus Pfingsten nicht hören, wird der Alltag schwer zu bewältigen sein und vor allem die fröhliche Botschaft von Gottes Liebe nicht weiterzugeben sein.

Von daher kann es für Christen keine festlose Kirchenjahreszeit geben. Sie feiern mit ihrem Reden und Handeln das Fest des Lebens, das das Auferstehungsgeschehen – Ostern – in der Wirklichkeit hier und jetzt ansichtig macht.
 
Auferstehung als österliches Geschehen ist Mitgehen, Mitgefühl, mit Gefühl, sich anrühren lassen, anrühren, aufrichten, reden und ans Leben übergeben… – eine Hoffnungsgeschichte.

Genau hingesehen ist das Leben nie „Saure-Gurken-Zeit“. Außerdem wissen wir doch: „Sauer macht lustig“.

d. lippold