Theologischer Monatsgruß - Dezember 2018

„…da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.
(Matthäus 2,18)



Seht den Stern von Bethlehem! Habt ihr so was schon geseh’n? Er strahlt auf die kleine Hütte.Seht, das Kindlein in der Mitte!Es liegt in der Mutter Arm.Diese hält es fest und warm.Ja – hier ist ein Mensch geborenden uns Gott hat auserkoren!
(Verfasser unbekannt)

Denken wir an den Stern von Bethlehem, haben wir einen Kometen mit einem langen Schweif vor Augen. Möglicherweise war es aber kein Komet, sondern eine besondere Konstellation von Jupiter und Saturn, die den Weisen aus dem Morgenland den Weg gewiesen hat. Die Suche nach dem Stern, von dem das Matthäus-Evangelium berichtet, ist fast so alt wie das Christentum selbst.  Schon im zweiten Jahrhundert versuchten die Christen herauszufinden, was damals am Himmel stand. Jahrhundertelang hielt man einen Kometen für dem Wegweiser am Himmel.

Egal, ob es nun ein Komet, eine Supernova oder eine besondere Planetenkonjunktion war, für die meisten Theologen, und auch für uns, spielt das keine Rolle: Wir halten den Stern von Bethlehem für eine Legende ohne realen Hintergrund. Matthäus hat ihn wohl auch deshalb in sein Evangelium aufgenommen, weil die Prophezeiungen aus dem Alten Testament die Ankunft des Messias mit dem  Leuchten eines Sterns ankündigten. Viele Wissenschaftler grübelten über den Ursprung des Weihnachtssternes und entwickelten dazu ihre eigenen Theorien, darunter Berühmtheiten wie Jochen Klepper, Edmond Halley und Isaak Newton.

Der Stern von Bethlehem ist ein festlicher Bestandteil von christlichem Weihnachtsschmuck. Wir basteln und hängen in der Adventszeit Sterne, malen sie oder backen Kekse, um an diese Geschichte zu erinnern: mitten in der dunklen Zeit werden wir Menschen von der guten Nachricht vom Kommen des Retters Jesus überrascht, sehen den Stern, sind hocherfreut und folgen ihm.

Der Stern von Bethlehem kündet einerseits von der Geburt Christi, andererseits erzählt die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland, dass sich den Suchenden der Weg erschließt, weil Gott sie führt und ans Zeil bringt.

Bei Jesus, dem Kind in der Krippe, dem eigensinnigen Jugendlichen im Tempel, der den Schriftgelehrten das Wort erklärt, dem unbequemen Wanderprediger, der hilft und mahnt und am Kreuz stirbt, der den Tod überwindet und dessen Botschaft Gottes Liebe und Heil verkündet, bei diesem Jesus finden wir alle unsere Hoffnung und Sehnsucht aufgehoben und geborgen.

Und die Weisen aus dem Morgenland? Wenn wir wie diese offen sind für Gottes Fingerzeige – auch mitten in der Dunkelheit – werden auch wir überrascht werden von Gottes Nähe, und dann wird diese Geschichte zu unserer eigenen Lebenserfahrung im Alltag unseres Lebens.

Der Stern – in welcher Form auch immer – war ja mit einem besonderen Ereignis verknüpft: Jesu Geburt, und mit der Hoffnung, jetzt wird alles nicht nur anders, sondern auch besser. Aber der Stern musste gesucht werden. Er stand auch für die Weisen nicht vor der Tür, sie suchten ihn und fanden ihn, und machten sich auf den Weg.

Auch wir müssen uns auf den Weg machen. So mundgerecht, wie wir heute Weihnachten  serviert bekommen, ist Weihnachten eben nicht. Zwar müssen wir nicht eine beschwerliche Reise zum Christkind zurücklegen, aber einige Hindernisse sind auch für uns aufgebaut. Es hat nämlich Konsequenzen, dem Kind zu begegnen, sich mit Gott einzulassen.

Hocherfreut heißt nicht nur, Freude zu empfangen und zu empfinden. Hocherfreut heißt, Freude zu teilen für sich selbst und für andere. Manchmal ein beschwerlicher Weg, aber ein lohnender: „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“  Folgen also auch wir diesem Stern, voller Hoffnung, voller Optimismus – hocherfreute Weihnachten.

Klaus Wirbel